Bleiben wir doch sachlich! Emotionen- und Konfliktmanagement für JuristInnen

Dieser Artikel ist im Extrajournal Recht erschienen
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Wien. Immer sachlich bleiben! Ein Motto, das zwar oft gehört, aber viel zu selten gelebt wird, meinen Karin Medved und Barbara Humar-Simeaner: Konfliktbereinigungen gehören zum Kerngeschäft von JuristInnen. In ihrem Gastbeitrag beschäftigen sich die beiden Beraterinnen damit, wie Emotionen- und Konfliktmanagement erfolgreich sein kann. Entscheidend ist, jene Phase möglichst kurz zu halten, in der Emotionen den Blick auf die Welt verstellen.

Im Tagesgeschäft der JuristInnen handelt es sich hierbei meist um die institutionelle Beilegung von Konflikten. Sei es durch Anrufung eines Gerichtes, einer übergeordneten Instanz oder durch die Beilegung einer Streitigkeit bereits im Vorfeld – eben durch Beiziehung eines Rechtsprofis.

Wie ist es nun um das Innenleben der Profis am Werk bestellt? Egal ob es um Interessenskonflikte, Auffassungskonflikte, Zielkonflikte, Auslegungskonflikte usw. geht: Regelmäßig treten dabei Emotionen auf und häufig wirken diese kontraproduktiv. Je intensiver die Emotionen, desto schwieriger die Fokussierung auf der fachlichen Sachebene.

Auf die Dauer der Beeinflussung kommt es an

Das Wesen von Emotionen, insbesondere von Angst, Ärger oder Zorn, hat es in sich, dass sie einfach passieren. Sie sind einfach da und sie beeinflussen massiv unsere Denkleistung. Die Emotionen Angst und Ärger rufen Urinstinkte in uns wach. Unser Körper bereitet sich auf Flucht oder Kampf vor und zieht Sauerstoff in die dafür benötigten Muskelgruppen – zu Lasten der Durchblutung des Gehirns, was zur Folge hat, dass unsere Denkleistung abnimmt. Für „Kopfarbeiter“ eher ungünstig.

Wie gut, dh. wie beherrscht Sie mit Ihren Emotionen umgehen können, hat somit Einfluss auf die Denkleistung sowie auf die, unmittelbar mit dem Aufleben der Emotion einhergehende, sogenannte „Refraktärphase“. In dieser Phase kann unser Denken keine Informationen verarbeiten, die nicht zu dem vorherrschenden Gefühl passen. Dauert diese Phase lediglich ein paar Sekunden bis Minuten kann sie nützlich sein, um unsere Aufmerksamkeit voll auf das Problem zu lenken. Dauert sie hingegen länger an, dienen alle in dieser Zeit wahrgenommenen Informationen als Emotionsverstärker; der „Tunnelblick“ verlängert sich, das Lösungsspektrum wird kleiner, eine konstruktive Gesprächsbasis wird immer schwieriger.

Kommunikation im Konfliktfall

Emotionen sind oft wesentlicher Bestandteil von Konflikten – zugleich sind Emotionen bzw. der professionelle Umgang damit auch wesentlicher Bestandteil der Konfliktlösung. Kommunikation im Konfliktfall ist nicht zuletzt ein fließendes Wechselspiel der Emotionen – sowohl den eigenen, als auch jener des Konfliktpartners. Die Emotionen des einen Konfliktpartners beeinflussen auch die Emotionen des anderen (Ursache-Wirkung-Zusammenhang mit Rückkopplungsschleifen – wir sprechen vom systemischen Zusammenhang).

Die Frage ist nun, wie geht man mit den eigenen Emotionen um, sodass der Kopf frei bleibt und wie geht man mit Emotionen Anderer um, die das eigene Befinden beeinträchtigen könnten.

Bewusstes Wahrnehmen ist der Anfang

Der erste Schritt ist jedenfalls bewusstes Wahrnehmen der eigenen Emotionen bzw. des von anderen Menschen ausgesandten Emotionssignals. Dieses beeinflusst, wie wir Worte und Taten unseres Gegenübers interpretieren. Paul Ekman (2007) sagt: „Emotionen sind nun einmal keine Privatangelegenheiten. Die meisten unserer Gefühle lassen über ein charakteristisches Signal andre wissen, was wir empfinden“.

Vorsicht ist aber bei der Ursachendeutung geboten. Wenn wir wahrnehmen, dass sich jemand ärgert, dann wissen wir oft – aber nicht automatisch – was die Ursache dafür ist. Missinterpretationen, der berühmte „Othello-Fehler“, führen im besten Fall zu einem aneinander Vorbeireden, im schlimmsten Fall heizen sie den Konflikt weiter an. Wenn wir uns selber ärgern, dann macht es Sinn, uns zu fragen, was hat uns dahin gebracht – „die eigenen roten Knöpfe“ identifizieren.

Als nächstes ist es die Fähigkeit, die eigene emotionale Stabilität wiederzuerlangen. In der Resonanzmethode nennen wir das „Innerer Zustand“. Je früher die störende Emotion wahrgenommen wird, desto schneller ist Erreichung dieses inneren Zustandes naturgemäß möglich.

Nur der andere verliert die Beherrschung?

Die hohe Kunst des Emotions- und Konfliktmanagements besteht darin, die eigene emotionale Stabilität dauerhaft halten zu können. Besonders in Fällen, wo das Gegenüber die Contenance vielleicht bereits verloren hat, ist das von großer Bedeutung. Ein stabiler innerer Zustand ermöglicht es, dass die Ruhe im Umgang mit der Konfliktsituation sich auf das Gegenüber ausbreitet. Im Optimalfall wird Resonanz erreicht: Ein sachlicher Umgang der Beteiligten miteinander in der Streitfrage – ohne negativer Begleit- oder Endgefühle.

Eine Vielzahl an Techniken und Methoden, sowohl auf mentaler als auch auf körperlicher Ebene, können uns dabei helfen, die eigenen – störenden – Emotionen zu dämpfen, wo wir es wünschen und mit den unangenehmen Emotionen anderer gelassener umzugehen.

Der achtsame Umgang mit der Sprache gibt uns weitere Möglichkeiten, Konflikte zu deeskalieren bzw. erst gar nicht entstehen zu lassen. Das Metamodell der Sprache oder die Regeln nach dem Modell der gewaltfreien Kommunikation (Marshall B. Rosenberg) sind gute Wegweiser zum bewussten Gebrauch der Sprache – auch in schwierigen Situationen. Somit wird es einfacher, emotionale Stabilität zu halten bzw. erforderlichenfalls wiederzuerlangen.

Emotionen sind Reaktionen auf Ereignisse, die für uns wichtig sind. Sie erweisen uns in vielen Situationen gute Dienste, manchmal sogar lebensrettende. Sie bringen uns aber auch manchmal in Schwierigkeiten, wenn wir oder andere unverhältnismäßig agieren oder reagieren. Die gute Nachricht: Man kann lernen, damit umzugehen.

Autorin Dr. Karin Medved leitet die karinmedved Personalberatung, Autorin Mag. Barbara Humar-Simeaner die coachmewell Coaching & Unternehmensberatung.

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