Wie Brücken bauen in die Welt der Demenz gelingen kann!

 

 

Das Netzwerk demenzfreundlicher 3. Wiener Bezirk hat im Juni eine Aktionswoche mit zahlreichen Angeboten zum Thema Demenz veranstaltet. Die Bücherei Erdbergstraße hat eine umfangreiche Auswahl an Büchern zum Stöbern zusammengestellt. Das Buch „Brücken in die Welt der Demenz“ ist aus meiner Sicht sehr empfehlenswert. Denn es gibt einen praktischen Einblick in die Prinzipien und Techniken der Validation – einer sehr wertschätzenden und wirkungsvollen Kommunikationsweise im Umgang mit Menschen mit Demenz. Daher möchte ich hier meine kurze Zusammenfassung teilen.

Buchrezension: FERCHER, Petra; SRAMEK, Gunvor: Brücken in die Welt der Demenz: Validation im Alltag (Ernst Reinhardt Verlag München Basel, 2014)

Validation stellt Wertschätzung, Respekt und Verständnis für das Verhalten alter Menschen in den Mittelpunkt. Diese wertschätzende Haltung im freudvollen Miteinander ist ein wichtiger Beitrag für eine alternde Gesellschaft – vor allem auch im Hinblick darauf, dass alte Menschen keine Lobby haben und es an uns liegt, für oder gegen sie zu sprechen und eine andere Kultur im Umgang zu etablieren, damit ein würdevolles Altern gelingen kann. Naomi Feil gilt als Begründerin der Validation. Sie ist als Kind im Altersheim aufgewachsen, weil ihre Eltern dort gearbeitet haben, und forscht seit ihrer Kindheit an einer gelingenden Kommunikation mit alten Menschen.

Die Grundhaltung für Validation: Akzeptieren und Respektieren eines Menschen mit Demenz in seinem „So-Sein“ und das Hineinversetzen in seine Welt und Wahrnehmung. Zentrieren ist eine relevante Fähigkeit (frei sein von seinen eigenen Gefühlen sein, kalibrieren, was gerade da ist, und ganz mit der betroffenen Person „im Gleichklang mitschwingen“,). Für das Pflegeteam und betreuende Angehörige bedeutet das vor allem, die Flexibilität der Tagesgestaltung in Bezug auf Essen, Pflege und das Eingehen auf Bedürfnisse“ . 

Aufarbeiten als Ziel der Validation: 4 Phasen im Stadium der Aufarbeitung:

  1. mangelhafte Orientierung (lückenhaft orientiert und oft unglücklich durch schmerzhaften Verlust der Fähigkeiten)
  2. Zeitverwirrung (Verlust der kognitiven Fähigkeiten, Reisen in die Vergangenheit)
  3. sich wiederholende Bewegungen, die die Sprache ersetzen
  4. Vegetieren im Sinne eines totalen Rückzuges nach innen.

Desorientierung erleben viele alte Menschen in Bezug auf ihren Körper, Vergangenheit und aktuelle Welt. -> Der Rückzug in „innere Welt“ kann auch eine heilsame Überlebensstrategie sein. Der Mensch mit Demenz ist zwar immer wieder verunsichert und kennt sich nicht aus, doch insgesamt überwiegend fröhlicher und zufriedener als zu Beginn der Erkrankung, wenn Unzulänglichkeiten noch schmerzlich wahrgenommen werden.

Ein wesentliches Prinzip der Validation ist, dass ein alter Mensch immer einen guten Grund hat, das so zu tun, wie sie oder er es gerade tut, auch wenn wir als Außenstehende es oft nicht begreifen können. Die Verwendung von Symbole in der Sprache können uns wichtige Hinweise zum Verständnis geben. Vieles wird nach außen, auf Dinge oder Personen projiziert („Stellvertreter“, um sich zu schützen). Dabei handelt es sich um typische Verhaltensweisen von Menschen, die meist noch zeitlich und räumlich orientiert sind, aber eine Verlust oder eine Veränderung verarbeiten müssen.

3 Beispiele für die Verwendung von Symbolen und deren Bedeutung & 

Wie reagiert man im Sinne der Validation darauf?

  1. „Fehlendes oder vergiftetes Essen“: -> steht für Gefühl von fehlender Zuneigung und Liebe. Zeichen von Vereinsamung.  Reaktion: Sie haben noch nichts zu essen bekommen? Hat sich niemand um ihr Essen,.. um Sie gekümmert? Warten Sie schon lange? Sind Sie ganz alleine, … kümmert sich niemand um Sie? Was haben Sie früher gemacht, wenn niemand da war, wenn Sie ganz alleine waren, wer hat Ihnen geholfen? Soll ich öfter vorbei schauen? (ermöglicht: Bedürfnis nach ehrlicher Zuwendung zu stillen und gemeinsame Lösung zu finden).
  2. „Schmuck gestohlen, Schmuck allgemein oder besondere Anhänger“ -> Verlust in Bezug auf Status, Attraktivität und Schönheit. Prozess des Annehmens des Älterwerdens fällt schwer. Reaktion: Ihr ganzer Schmuck sagen Sie? Die vielen Ringe und schönen Ketten? Das ist sicher viel wert, von wem haben Sie das alles bekommen? Ah, von ihrem Mann. Haben Sie sich sehr geliebt? Er muss Sie sehr geschätzt haben, waren Sie sehr glücklich mit ihm? (ermöglicht: Bedürfnis nach Status und Wert in Bezug zu „Frau sein, als Frau begehrt zu werden“ zu erfüllen).
  3. „Geld/Sparbuch/Brieftasche gestohlen oder weg“ -> Verlust der Selbstständigkeit, Angst vor Abhängigkeit, Hilfsbedürftigkeit. Bedürfnis nach mehr Status und Selbstbestimmung. Reaktion: Das Geld ist weg, sagen Sie? Ist das schon öfter vorgekommen? Immer wieder, sagen Sie? Ist das früher auch schon mal passiert? Waren Sie gewohnt, wichtige Dinge selbst zu regeln? Hatten Sie viel Verantwortung? Was haben Sie beruflich gemacht? (ermöglicht: Bedürfnis in Bezug auf Selbstbestimmung und Selbstständigkeit einzugehen, Selbstwertgefühl und Würde wird zurück gegeben).

Für weitere Informationen empfehle ich die praktische Übersicht mit Demenz-Literatur der Bücherei Erdberg. Hier der Link zum Stöbern: Demenz-Literatur in der Bibliothek Erdberg.

Bei Fragen und Anregungen melden Sie sich jederzeit:

Mag. Sandra Simeonidis-Huber

sandra.huber@coachingnetwork.at

 

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